Laser-Therapie

Seit Anfang der 1990er-Jahre ist die Photodynamische Therapie (PDT) in der Medizin fest etabliert. In der Zahnmedizin ist sie als minimalinvasive, oberflächenorientierte Therapie mit dem Hauptangriffsziel gegen pathogene Mikroorganismen weiterentwickelt worden. Im Dentalmarkt gibt es prinzipiell genügend ausgereifte PDT-Systeme. Diese unterscheiden sich jedoch in gewissen Komponenten und Anwendungsdetails. Dr. Makowski und sein Team haben das PACT® 300-System einem einmonatigen Praxistest unterzogen und es dann in ihr tägliches Behandlungskonzept integriert.

Bereits vor über 100 Jahren wurden die für die Photodynamische Therapie essenzielle Anfärbelösungen entdeckt, die heute als Photosensitizer bezeichnet werden. So wurde z.B. das Methylenblau bereits 1876 von dem Chemiker Heinrich Caro (BASF) synthetisiert. Auch der spätere Nobelpreisträger Paul Ehrlich erkannte seine Vorzüge bereits 1885 als Vitalfarbstoff zur selektiven Färbung lebender Gewebe und erforschte seine weitere Anwendung. Seit Anfang der 90er-Jahre ist die PDT in der Medizin fest etabliert und wird in der Augenheilkunde, der Onkologie, der Dermatologie und auch in der Veterinärmedizin mit großem Erfolg angewendet. In der Augenheilkunde ist die Photodynamische Therapie z.B. das Standardverfahren für die Behandlung bestimmter Gefäßneubildungen unter der Netzhaut, die bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) auftreten. In der Onkologie sind typische Einsatzgebiete die Behandlung von Tumoren in Harnblase, im äußeren Kopfbereich, in der Mundhöhle, im Kehlkopf- und Speiseröhrenbereich, in der Lunge, im Gallengang sowie im Genitalbereich. In der Dermatologie hat die PDT weite Verbreitung gefunden zur Behandlung verschiedener Hautkrebsformen und ihrer Vorstufen und ist Mittel der ersten Wahl bei leichten und mittelschweren aktinischen Keratosen.

Anforderungen in der Zahnmedizin aus praktischer Sicht

Auch in der Zahnmedizin hat sich das geniale, weil einfache Prinzip der PDT inzwischen einen festen Platz bei den minimalinvasiven Therapieverfahren erobert. Dazu stehen heute im Dentalmarkt prinzipiell genügend ausgereifte Systeme zur Verfügung, die sich aber dennoch erheblich in gewissen Komponenten und Anwendungsdetails unterscheiden, was wiederum einen großen Einfluss hat auf das praktische Handling, die Behandlungsergebnisse und auch die Akzeptanz und Zufriedenheit bei unseren Patientinnen und Patienten. Generell muss die Wellenlänge des verwendeten Lasers natürlich mit dem Photosensitizer korrespondieren, um die antimikrobielle und bakterizide Wirkung voll zu gewährleisten. Auch die Leistung des Lasers sollte hoch genug sein, um in kurzer Zeit viele Areale, z.B. das gesamte Parodontium, nach einer konventionellen PA-Therapie behandeln zu können. Für die praktische Anwendung entscheidend sind aber auch austauschbare und unterschiedlich große Lichtleiteransätze für den Laser, um ein breites Anwendungsspektrum vom grazilen Wurzelkanal bis zur großflächigen Wundfläche zu ermöglichen. Außerdem sollte das Licht verlustfrei und effizient an den Wirkungsort gebracht werden, wobei die Lichtleitermaterialien und die optischen Kopplungsstellen die entscheidende Rolle spielen, da sie über Leistungsverluste, aber auch über den Preis bestimmen. Aus hygienischer Sicht sind heute sicherlich Einmal-Applikatoren der Permanentfaser vorzuziehen. Die einfache und rückstandsfreie Entfernung des Photosensitizers durch Ab- und Ausspülen wird kaum in der wissenschaftlichen Literatur erwähnt, stellt aber in der täglichen Praxis für die nachfolgenden Behandlungen am Zahn und den umliegenden Strukturen aus ästhetischen Gründen, und damit vor allem für die Patientenakzeptanz, ein entscheidendes Kriterium dar. Eine Auswahl an PDT-Systemen, die uns heute zur Verfügung stehen, zeigt Tabelle 1 (ergänzt nach Biffar und Hopp).

Indikation und Anwendung der PDT am Beispiel des PACT®-Systems

Wir entschieden uns nach einem ausführlichen, einmonatigen Praxistest für das PACT® 300-System, das aus folgenden drei Hauptkomponenten besteht:

  • Laserdiode mit einer Wellenlänge von 632 bis 644 nm und Leistung von ca. 300mW
  • Lichtleiter und Lightguides in drei Größen von PACT® Light Guides (Universal, Endo, XL)
  • Photosensitizer Toluidinblau als Fluid und Gel: PACT® Universal Gel und PACT® Fluid Endo

Durch die Zubehörkomponenten mit drei verschieden großen Lichtleiteransätzen, den zwei unterschiedlichen Konsistenzformen des Photosensitizers Toluidinblau und unterschiedlichen Applikationskanülen kann ein maximales Anwendungsspektrum in der Zahnmedizin abgedeckt werden. Die leichte und rasche Entfernbarkeit des Toluidinblau durch Abspülen gewährleistet ein gutes Handling ohne ästhetische Einbußen der behandelten Strukturen und damit vollste Patientenzufriedenheit.

1. Karies und Kavitätendesinfektion

Die derzeit aktuelle, zahnerhaltend ausgerichtete Kariestherapie favorisiert klar die substanzschonende Exkavation und erlaubt das Belassen von Restkaries in tiefen Dentinbereichen, sofern die Randbereiche im Schmelz und/oder Dentin kariesfrei gemacht werden. Ziel ist hier eindeutig die Vitalerhaltung des Zahnes durch Schonung der Pulpa mit deutlich besserer Langzeitprognose. Allerdings sollten gerade diese tiefen Dentinbereiche so gut wie möglich desinfiziert werden. Hier führen wir sowohl bei CP-Kavitäten als auch bei direkten Überkappungen inzwischen standardmäßig eine Kavitäten-Desinfektion für mindestens 30 Sekunden mit dem PACT® Universal Gel und dem PACT® Light Guide Universal Lichtleiter durch. Danach wird der Photosensitizer Toluidinblau mit Chlorhexidin abgespült, was nachfolgend auch die Haftwerte des Adhäsivsystems verbessert.

2. Parodontitis

Die Parodontologie ist aus unserer Sicht der größte Anwendungsbereich für die Photodynamische Therapie in der Zahnmedizin. Sofern nur minimale parodontale Taschen von 3 bis 4 mm Tiefe ohne Konkremente vorliegen, ist sie sogar als alleinige Therapie gut und schnell verwendbar. Wir setzen die PDT allerdings zumeist direkt unterstützend zu einer mechanischen Reinigung auch bei tiefen (> 5 mm), blutenden und refraktären Taschen ein. Dabei wird zunächst die mechanische Reinigung kombiniert mit grazilen Ultraschallspitzen und adäquaten Scalern und Küretten durchgeführt. Danach erfolgt die Photodynamische Therapie mit dem PACT® Universal Gel, das etwa eine Minute nach Applikation einwirken sollte, und dem PACT® Light Guide Universal Lichtleiter, der an vier oder sechs Sondierungspunkten jeweils mindestens für 30 Sekunden angewendet wird. Diese Kombination bringt wissenschaftlich nachgewiesen die höchste Keimzahlreduktion in den entstandenen Taschen, was wir aus unserer praktischen Erfahrung voll bestätigen können. Auch bei aggressiver und chronischer Parodontitis können Aufklappungen oftmals vermieden und Recall-Abstände für die betroffenen Patienten verlängert werden. Als Hauptkomplikation in der praktischen Anwendung ist eine starke, sulkuläre Blutung anzusehen, die durch Mehrfachspülung mit H2O2 und CHX reduziert werden sollte, bevor der Photosensitizer in und um den Sulkus eingebracht wird. Manchmal applizieren wir das PACT® Universal Gel auch ein zweites Mal und belichten erneut. Kann die Blutung gar nicht reduziert oder verringert werden, macht es absolut Sinn, die PDT erst drei bis vier Tage nach Scaling und Wurzelglättung anzuwenden.

Besonders im Recall parodontal geschädigter Patienten ist die PDT durch ihre hohe Selektivität günstiger zu bewerten als Antibiotika-Kuren mit breitbandigem Wirkungsspektrum, die verschiedene Nebenwirkungen zeigen und nach unserer Erfahrung deshalb oft mit einer eingeschränkten Compliance der Patienten einhergehen. Die nebenwirkungsfreie und effiziente, bakterizide Anwendung wurde auch wissenschaftlich als wesentlicher Vorteil gegenüber Antibiotikatherapien herausgestellt, der vor allem in der Praxis nicht zu unterschätzen ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass die PDT auch durch die geschulte und fortgebildete Dentalhygienikerin (in der Schweiz und in Deutschland) oder Prophylaxeassistentin (nur in Deutschland) bei entsprechender Vorbehandlung angewendet werden darf. Diese Art der Laserbehandlung (Laserklasse 3B) darf als physikalische, nichtinvasive Therapie delegiert werden, unterliegt dennoch der Aufsichts-, Kontroll- und Verantwortungspflicht des Zahnarztes.

3. Periimplantitis

In der Implantologie kommt die PDT bei uns sowohl bei der Behandlung der Mukositis als auch bei einer manifesten Periimplantitis zur Anwendung. Entscheidend ist hier eine gute Diagnostik durch regelmäßiges Sondieren um die Implantate herum, um so früh wie möglich eine beginnende Mukositis zu erkennen und sofort therapeutisch einzugreifen. Die geschlossene periimplantäre Behandlung bei uns erfolgt meist nach einer Oberflächenanästhesie mit Oraquix® und einer stufenweisen mechanischen Reinigung mit grazilen und speziell beschichteten Ultraschallspitzen (PSDLC Asba® Inserts, Fa. Medirel SA), um die obersten Implantatwindungen nicht zu beschädigen und wegen nachfolgender PDT. Bei starker Blutung wird durch Wechselspülungen von H2O2 und CHX die Blutung reduziert und bei Bedarf adäquat zur PA-Therapie das PACT® Universal Gel mehrmals in und um den Sulkus eingebracht, um einen Wirkungsverlust durch Ausspülen des Photosensitizers zu kompensieren. Anschließend erfolgt die Lichtaktivierung von ein bis zwei Minuten an vier oder sechs Sondierungsstellen mit dem PACT® Light Guide Universal Lichtleiter. Bei persistierender Blutung aus der gereinigten Tasche wird erst drei bis vier Tage später photodynamisch interveniert. Bei der offenen Periimplantitisbehandlung mit chirurgischen Maßnahmen entscheiden wir nach Darstellung des Kochendefekts je nach seiner Lage und Konfiguration über eine Implantatplastik nach dem Konzept von Frank Schwarz. Vor dem Einsatz der PDT werden die kontaminierten Implantatoberflächen deshalb neben Ultraschall und Küretten zusätzlich mit Airflow® so gründlich wie möglich gereinigt und mehrfach mit CHX gespült. Die Desinfektion erfolgt wiederum mit PACT® Universal Gel und dem PACT® Light Guide Universal oder XL Lichtleiteransatz je nach Größe des Behandlungsareals. Zusammenfassend ist sicher der größte Vorteil bei der athermischen Laseranwendung das Fehlen von Oberflächenveränderungen und von Rissbildungen des Titans bei gleichzeitig maximaler antimikrobieller Therapiewirkung auf diese rauen und schwer zu dekontaminierenden Oberflächen.

4. Endodontie

Die Wurzelkanäle eines Zahnes mit den davon ausgehenden Dentinkanälchen sind ein sehr komplexes, dreidimensionales und für Desinfektionsmaßnahmen schwer zugängliches System. Visuell hilft uns neben der strikten Anwendung von Kofferdam dabei die Verwendung eines Dentalmikroskops. Während der chemo-mechanischen Aufbereitung, die meist in Hybridtechnik mit reziprok arbeitenden NiTi-Instrumenten erfolgt, können die Hauptspüllösungen NaOCl und CHX über die gesamte Zeit einwirken und bei Bedarf zusätzlich mit Ultraschall aktiviert werden. Nach den Abschlussspülungen EDTA (Smearlayer-Entfernung), NaOCl, H2O2 und CHX kommt jetzt zur finalen Bakterienelimination die PDT mit dem PACT® Fluid Endo und dem PACT® Endo Lichtleiteransatz zum Einsatz. Das PACT® Fluid Endo lässt sich sehr gut mit feinen Endokanülen bis in die apikalen Wurzelkanalbereiche applizieren und der PACT® Endo Light Guide Ansatz erlaubt durch seine schmale Form die Lichtleitung bis dorthin. Nach einer Minute Einwirkzeit des Toluidinblaus wenden wir den Softlaser für mindestens zwei Minuten je Wurzelkanal an, wobei eine leichte Auf- und Abbewegung des Lichtleiteransatzes im Wurzelkanal sogar vorteilhaft ist. Danach wird der Photosensitizer mit CHX ausgespült, die Wurzelkanäle getrocknet und die Wurzelfüllung in vertikaler Warmfülltechnik durchgeführt. Nach der Wurzelfüllung erfolgt immer sofort ein dentin-adhäsiver Verschluss der Kanaleingänge und des Cavums, um eine bakterielle Reinfektion von oral zu vermeiden.

5. Weichgewebeinfektionen der Mundhöhle als Krankheitsursache

Infektionen der Schleimhaut und Haut oral und perioral sind häufige Phänomene, die zumeist durch bakterielle und virale Infekte ausgelöst werden. Die Photodynamische Therapie begünstigt ein schnelleres Abheilen oraler Weichgewebsinfektionen mit Herpes simplex (Viruserkrankung mit typischer Bläschenbildung, z.B. im Lippenbereich) und auch Infektionen mit dem Sprosspilz Candida albicans, die zunehmend auf den von Zahnprothesen abgedeckten Weichgeweben in Form einer Prothesenstomatitis vorkommen. Hierbei setzen wir die verschiedenen Konsistenzformen des Photosensitizers PACT® Universal Gel und PACT® Fluid Endo und auch die Lichtleiteransätze PACT® Light Guide Universal und XL gezielt selektiv nach Lage und Größe der betroffenen Strukturen ein. Außerdem achten wir auf eine ausreichend lange Einwirkzeit von mindestens einer Minute genauso wie auf eine genügende Belichtungszeit zwischen einer und zwei Minuten, um eine maximale antimikrobielle Wirkung zu erreichen. Dabei behandeln wir neben dem Prothesenlager auch betroffene Prothesenareale konsequent mit. Aber auch zur Unterstützung der Wundheilung, z.B. bei postoperativen, entzündlich bedingten Wundheilungsstörungen, eignet sich die PDT hervorragend, wobei sich vor allem die nachgewiesenen Effekte des verstärkten Wachstums von Fibroblasten und der induzierten Synthese von Fasern im Gewebe positiv auswirken.

Wirkprinzip und Anwendung in der Zahnmedizin

Allgemein versteht man unter der Photodynamischen Therapie die lichtinduzierte Inaktivierung von Zellen, Mikroorganismen und Keimen. In der Zahnmedizin ist sie als minimalinvasive, oberflächenorientierte Therapie mit dem Hauptangriffsziel gegen pathogene Mikroorganismen weiterentwickelt worden, die Biofilme auf oralen Geweben, auf Zahnoberflächen, in Zahnfleischtaschen, auf Wundflächen und auf Implantaten bilden. Praktisch muss dazu ein Photosensitizer auf die infizierten Strukturen appliziert werden und eine ausreichende Zeit auf sie einwirken. Dann werden mit einem monochromatischen (Rot) Licht einer speziellen Wellenlänge (Laser oder LED) die Moleküle des Photosensitizers in einen angeregten Zustand gebracht und hochreaktiver Sauerstoff (02 Singulett-Zustand) wird gebildet. Dieser wirkt selektiv durch Oxidation auf die mikrobiellen Zellkomponenten wie Zellwände und -membranen, Proteine, Lipide, Nukleinsäuren u.a. ein, und die Keime werden irreversibel geschädigt. Die intakten Gewebe werden dabei nicht beschädigt, die Dosierung und Wirksamkeit ist gegenüber z.B. Antibiotika unlimitiert und die Anwendung kann beliebig oft, je nach Indikation, wiederholt werden.

Fallbeispiele

Fall 1: Chronisch profunde Parodontitis mit stark fortgeschrittenem Knochenabbau

Die 53-jährige Patientin kam mit dem Wunsch zu uns, ihre beiden vorderen Frontzähne mit allen Mitteln so lange wie möglich zu erhalten, wobei ihre finanziellen Mittel für den Zahnerhalt limitiert waren. Ihre Vorbehandlerin sah keine Möglichkeit des Zahnerhalts für 11 und 21, die auch einen Lockerungsgrad von 1–2 mit bukkaler Fistelbildung aufwiesen, und riet ihr dringend die Extraktion beider Frontzähne an. Nach der Eingangsuntersuchung nahmen wir einen kompletten PA-Status mit sechs Messpunkten für die Sondierungstiefen auf und fertigten ein aktuelles Röntgenbild der OK-Front mit eingebrachten GP-Points an. Hier zeigte sich das ganze Ausmaß der fortgeschrittenen chronischen Parodontitis und des damit einhergehenden Knochenabbaus (Abb. 1). Tatsächlich waren 11 und 21 die am stärksten gefährdeten Zähne mit ST bis 10 mm, maximalem BOP und Pusaustritt, einer aktiven bukkalen Fistel und Lockerungsgraden von 1–2. Wir klärten die Patientin über unseren Therapieplan zum versuchten Zahnerhalt vor allem von 11 und 21 auf. Dieser sah eine geschlossene PA-Behandlung mit unterstützender PDT/PACT® und einer ersten Reevaluation nach zwei Wochen vor. Die Patientin erklärte sich einverstanden mit dem Therapieplan. Je nach Ergebnis der ersten Nachkontrolle würden wir die Folgebehandlungen ebenfalls mit Unterstützung der Photodynamischen Therapie durchführen. Die erste geschlossene PA-Behandlung mit Scaling und Root Planing führten wir eine Woche später an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für Ober- und Unterkiefer unter Lokalanästhesie im Sinne einer Full-Mouth-Disinfection nach Lang durch. Nach der Instrumentation mit Ultraschall und Küretten wurde durch Wechselspülungen von H2O2 und CHX die Blutung reduziert, um die Photodynamische Therapie bereits beim Ersttermin effektiv einzusetzen. Das PACT® Universal Gel wurde mehrmals in und um den Sulkus eingebracht, um einen Wirkungsverlust durch Verdünnen des Photosensitizers zu kompensieren.

Anschließend erfolgte die Lichtaktivierung an vier Sondierungsstellen im Frontzahnbereich und sechs im Seitenzahnbereich mit dem PACT® Light Guide Universal Lichtleiter für jeweils 30 Sekunden. Danach wurde der Photosensitizer mit CHX abgespült und zusätzlich CHX-Gel intrasulkulär appliziert. Für die zwei Wochen bis zur Nachkontrolle erhielt die Patientin unterstützend CHX-Mundspüllösung zum Hausgebrauch. Nach zwei Wochen erfolgte die erste Reevaluation, die bereits eine deutliche Verbesserung der parodontalen Situation mit Verschluss der bukkalen Fistel zwischen 11/21, einer Reduzierung der Blutungsneigung und einer Verringerung des Lockerungsgrades auf 0–1 zeigte (Abb. 2). Wir führten aber nochmals im Oberkiefer von 13–23 ein Ultraschall-Scaling nur mit Oberflächenanästhesie Oraquix® und einer nachfolgenden PDT wieder mit PACT® Universal Gel und dem PACT® Light Guide Universal Lichtleiter an vier Sondierungsstellen für jeweils 30 Sekunden durch. Weitere vier Wochen später erfolgte die zweite Nachkontrolle, und die Patientin fragte uns nach einer kostengünstigen ästhetischen Verbesserung der Frontzahnlücke. Hierauf boten wir ihr eine Verkleinerung der Lücke mit Komposit für 11/21 jeweils mesial an und simulierten ihr dies mit einem freihändigen Komposit Mock-up (ohne Haftvermittler), was sie überzeugte. Bei der definitiven Lückenverkleinerung mithilfe eines Silikonschlüssels rauten wir die Schmelzränder nur an und achteten penibel auf die Vermeidung von Komposit-Überschüssen an den mesialen Übergängen. Dazu benutzten wir Retraktionsfäden und arbeiteten die Ränder sorgfältig mit der EVA-Feile nach. Außerdem wurde die Okklusion in Statik und Dynamik mit den palatinalen Führungsbahnen genau kontrolliert und eingeschliffen, um eine Überbelastung der gerade fester gewordenen 1er zu vermeiden. Einen Tag später erfolgte nochmals die alleinige Anwendung des PACT®-Systems von 13–23 in derselben Anwendungsweise wie vier Wochen vorher ohne Scaling (Abb. 3–6). Ein PA-Befund adäquat zum Ausgangsbefund in derselben Sitzung zeigte eine deutliche Reduktion der Sondierungstiefen bei 11/21 von z.T. mehr als 5 mm ohne BOP und ohne Lockerungsgrad. Die Abbildungen zeigen die alleinige PACT®-Anwendung beim zweiten Recalltermin. Zusammenfassend ist nach zwei Monaten die kurzfristige Zahnrettung von 11 und 21 mit einer deutlichen Verbesserung der gesamten PA-Situation ein gutes Ergebnis, das aber engmaschig kontrolliert und nur so aufrechterhalten werden kann.

Fall 2: Akute apikale PA durch massive CP mit Pulpabeteiligung

Der 32-jährige Patient stellte sich bei uns im Notfalldienst mit starken Aufbissbeschwerden an Zahn 24 vor. Zahn 24 reagierte negativ auf den Vitalitätstest und stark positiv auf den Klopftest. Eine massive CP, die den gesamten Zahn von distal unterminierte, hatte bereits zu einer akuten apikalen Parodontitis geführt. Während die massive CP sehr gut im Ausgangsröntgenbild (Abb. 7) erkennbar ist, zeigt sich die apikale PA eher dezent mit einem erweiterten PA-Spalt. Nach der Diagnostik klärten wir den Patienten über die notwendige Notfallbehandlung und die insgesamt notwendige Wurzelbehandlung zum Zahnerhalt mit dem Kostenrahmen auf und boten ihm an, da er keinen Zahnarzt hatte, die Behandlung bei uns durchzuführen. Nach der Anästhesie entfernten wir im gleichen Termin unter Kofferdam die unterminierende Karies vollständig, wozu wir als Kontrolle Kariesdetektor benutzten (Abb. 8 und 9). Dann stellten wir die beiden Wurzelkanäle mit ihren Eingängen dar und instrumentierten sie initial im Wechsel mit NaOCl- und CHX-Spülungen, die durch Ultraschall aktiviert wurden (Abb. 10). Eine Einlage mit Ledermix und eine provisorische Aufbaufüllung mit Photac (kunststoffverstärkter Glasionomerzement) vervollständigten die Notfallbehandlung (Abb. 11). Der Patient war bereits am nächsten Tag schmerzfrei und wollte die gesamte Behandlung vor seinem bevorstehenden Urlaub erledigt wissen. Drei Tage später führten wir deshalb die komplette Wurzelbehandlung mit Wurzelfüllung und dem definitiven Kompositaufbau unter Kofferdam und mithilfe des Dentalmikroskops (Global G6) durch. Nach der Aufbereitung in Hybridtechnik, die mit Reciproc®-Instrumenten nach Herstellung eines Gleitpfades durch Handinstrumente unter permanenter elektrischer Längenmessung erfolgte, zeigte sich, dass beide WK apikal konfluierten. Da die visuelle Kontrolle mit dem Dentalmikroskop bis apikal und die elektrische Längenmessung eindeutig waren, wurde auf eine Masterpoint-Aufnahme verzichtet. Nach den Abschlussspülungen: EDTA (Smearlayer-Entfernung), NaOCl, H2O2 und CHX kam jetzt unterstützend zur finalen Bakterienelimination die PDT mit dem Photosensitizer PACT® Fluid Endo und dem PACT® Endo Lichtleiteransatz zum Einsatz (Abb. 12–14). Die Wurzelkanäle wurden zunächst nur leicht getrocknet und daraufhin das PACT® Fluid Endo mit einer feinen Endokanüle bis in die apikalen Wurzelkanalbereiche appliziert. Nach einer Minute Einwirkzeit des Toluidinblaus wendeten wir den Softlaser für zwei Minuten je Wurzelkanal an, wobei der PACT® Endo Lichtleiter dabei leicht auf und ab bewegt wurde (Abb. 15). Danach wurde der Photosensitizer mit CHX ausgespült, die Wurzelkanäle getrocknet und die Wurzelfüllung in vertikaler Warmfülltechnik durchgeführt (Abb. 16). Nach der Wurzelfüllung erfolgte sofort der dentinadhäsive Verschluss der Kanaleingänge und des Cavums (Abb. 17). Außerdem wurde die provisorische Photac-Füllung vollständig entfernt und mit Komposit in Schichttechnik ersetzt (Abb. 18). Durch den Einsatz einer verkeilten Teilmatrize mit Spannring konnte auch der Kontaktpunkt wieder hergestellt werden. Nach Okklusionskontrolle mit Feineinschleifen der statischen und dynamischen Okklusion erfolgte eine Nachpolitur. Die Abschluss-Röntgenaufnahme zeigt die homogene Wurzelfüllung mit ihrem nahtlosen Übergang in den internen Kompositaufbau, was eine bakterielle Reinfektion langfristig verhindert (Abb. 19)

Komplikationen

Bisher erwies sich unser PACT®-System im täglichen Einsatz als sehr zuverlässig und robust. Zweimal wurde versäumt, den Akku rechtzeitig aufzuladen, was durch eine Schnellaufladung über eine Minute für den jeweiligen Patientenfall kompensiert wurde, sodass sofort behandelt werden konnte. Allerdings ist dies langfristig für den Akku ungünstig und sollte die Ausnahme bleiben.

Abrechnung und Wirtschaftlichkeit

Interessanterweise hatte sich durch unsere konsequente Anwendung in der täglichen Praxis das PACT®-System fast schon in der einmonatigen Testphase vollständig amortisiert. Wir benutzen in unserer Schweizer Privatpraxis für die PDT-Behandlung die Abrechnungsposition 4187: Physikalische Therapie und „analogisieren“ diese im Kontext zu PDT/PACT-Softlaser. Je nach Arbeits- und Zeitaufwand berechnen wir dann die Anwendung des PACT®-Systems pro Parodontium/pro Wurzelkanal/pro Zahn oder pro Quadrant. Für meine deutschen Kolleginnen und Kollegen seien die aktuellen Abrechnungstipps der Deutschen Gesellschaft für Laserzahnheilkunde auf ihrer Webseite: www.dgl-online.de empfohlen. Die Patienten erhalten bei uns zusätzlich zur kurzen mündlichen Aufklärung vor der ersten Softlaserbehandlung immer einen übersichtlichen Flyer mit Kurzinformationen über die PDT/PACT(kostenlos über Pro Dentis/Cumdente) bevor sie die Praxis verlassen. Das Feedback und die Compliance unserer Patientin für die PDT sind gegenüber herkömmlichen Therapien nochmals deutlich gestiegen. Die PDT fügt sich deshalb nahtlos in unser immer stärker biologisch orientiertes und damit minimalinvasives Behandlungskonzept ein.

Danksagung/Konformität
Der Autor bedankt sich bei der Firma ProDentis (mit ihrem kompetenten Chef Daniel Fischer) für die ausführliche Testmöglichkeit des PACT®-Systems und die gute Beratung, dennoch besteht keine wirtschaftliche Abhängigkeit weder zu Pro Dentis noch zu Cumdente. Ich empfehle allen interessierten Kolleginnen und Kollegen vor einer Kaufentscheidung, so wie wir ausführlich die Praxistauglichkeit und das Handling des ausgewählten Lasersystems zu testen und sich dann je nach Behandlungsspektrum der Praxis für ein passendes Gerät zu entscheiden.